#Diagnose & Fehlerbehebung
Fehlerspeicher löschen: Wann es hilft und wann es nach hinten losgeht
TL;DR: Das Löschen des Fehlerspeichers schaltet zwar die Kontrollleuchte aus, behebt aber nichts. Außerdem verschwinden dabei die Hinweise, die dir helfen, die eigentliche Ursache zu finden. Lösche Fehlercodes daher erst, nachdem du das Problem diagnostiziert und behoben hast. Teste danach erneut, um sicherzugehen, dass die Reparatur funktioniert hat.
Die Motorkontrollleuchte geht an. Du steckst einen OBD2-Scanner ein – und da ist er.
Ein großer „Löschen“-Button.
Verlockend, oder?
Leider ist das Löschen des Fehlerspeichers der letzte Schritt einer Reparatur, nicht die Reparatur selbst. In diesem Ratgeber erfährst du, was beim Löschen des Fehlerspeichers passiert, wann das sinnvoll ist, wann es dir schadet und welcher einfache Ablauf jedes Mal funktioniert.
Was passiert, wenn du den Fehlerspeicher löschst
Die Steuergeräte deines Autos überwachen ständig Sensoren und Systeme. Liegt etwas außerhalb des normalen Bereichs, speichert das Steuergerät einen Fehlercode.
Das ist der Fehlerspeicher.
Hinweis: Wenn Fehlercodes für dich neu sind, starte am besten mit unserem Ratgeber zum Auslesen des Fehlerspeichers.
Wenn du den Fehlerspeicher löschst, entfernst du viel mehr als nur den Code. Auf Ebene des OBD2-Standards löscht der Löschbefehl Folgendes:
|
Was gelöscht wird
|
Warum das wichtig ist
|
|
Gespeicherte (bestätigte) Fehlercodes
|
Dein wichtigster Hinweis darauf, was schiefgelaufen ist
|
|
Vorläufige Fehlercodes
|
Frühwarnungen für Probleme, die sich gerade erst anbahnen
|
|
Freeze-Frame-Daten
|
Die Momentaufnahme der Betriebsbedingungen zum Zeitpunkt des Fehlers
|
|
Status der Readiness-Monitore
|
Die Selbsttests des Autos werden auf „nicht bereit“ zurückgesetzt und müssen erneut durchgeführt werden
|
|
Motorkontrollleuchte
|
Das einzige sichtbare Anzeichen des Problems verschwindet
|
Was das Löschen nicht tut: einen Sensor reparieren, eine Zündkerze tauschen oder ein Leck abdichten. Ist die Ursache noch da, erkennt das Auto den Fehler erneut.
Gespeicherte vs. vorläufige Fehlercodes
Nicht jeder Code im Fehlerspeicher hat dieselbe Bedeutung. Wenn du den Status verstehst, kannst du besser entscheiden, was als Nächstes zu tun ist.
Viele abgasrelevante Fehler folgen einer zweistufigen Logik. Schlägt ein Selbsttest zum ersten Mal fehl, speichert das Steuergerät einen vorläufigen Fehlercode (Pending).
Schlägt derselbe Test im nächsten Fahrzyklus erneut fehl, wird der Code bestätigt (gespeichert) und die Motorkontrollleuchte geht an. Manche schwerwiegenden Fehler überspringen die Wartezeit und werden wegen ihrer Schwere sofort bestätigt.
|
Codetyp
|
Bedeutung
|
Kontrollleuchte
|
Was zu tun ist
|
|
Vorläufig (Pending)
|
Fehler einmal erkannt, noch nicht bestätigt
|
Meist aus
|
Notieren, normal weiterfahren und nach ein paar Fahrten erneut scannen
|
|
Gespeichert (bestätigt)
|
Fehler vom Steuergerät bestätigt
|
Oft an
|
Ursache diagnostizieren, bevor du etwas löschst
|
|
Permanent (vor allem Fahrzeuge für den US-Markt)
|
Lässt sich nicht mit einem Diagnosegerät löschen
|
An
|
Ursache beheben – das Fahrzeug löscht den Code selbst, nachdem es den Selbsttest bestanden hat
|
|
Aktiv / statisch (z. B. VAG-Fahrzeuge)
|
Der Fehler liegt gerade vor
|
Je nach System
|
Nicht löschen – er taucht sofort wieder auf
|
|
Passiv / sporadisch (z. B. VAG-Fahrzeuge)
|
Der Fehler ist früher aufgetreten, liegt aber aktuell nicht vor
|
Je nach System
|
Dokumentieren, dann löschen und beobachten, ob er wiederkommt
|
Gut zu wissen: Herstellerspezifische Fehlercodes schalten nicht immer die Motorkontrollleuchte ein. Dein Fehlerspeicher kann also Einträge enthalten, auch wenn im Cockpit alles unauffällig aussieht und noch keine Anzeige, Fehlermeldung oder Unregelmäßigkeiten sichtbar sind.
Und hier etwas, das die meisten Autofahrer nicht wissen: Autos „räumen selbst auf“. Sobald der Selbsttest also mehrmals hintereinander erfolgreich ist, kann die Kontrollleuchte von selbst ausgehen (in der Regel nach drei fehlerfreien Fahrzyklen). Nach EU-Abgasvorschriften darf der Code selbst automatisch gelöscht werden, wenn der Fehler mindestens 40 Warmlaufzyklen lang nicht wieder auftritt.
Das heißt: Ist das Problem wirklich behoben, bereinigt sich der Fehlerspeicher irgendwann von selbst. Ist das nicht der Fall, verschafft dir das Löschen lediglich etwas Zeit.
Warum es schlecht ist, Fehlercodes zu früh zu löschen
Fehlercodes zu löschen, ohne die Ursache zu beheben, fühlt sich produktiv an. In Wirklichkeit wirkt sich das aber in mehrfacher Hinsicht nachteilig für dich aus.
- Du vernichtest die Beweise. Freeze-Frame-Daten zeigen dir (oder deiner Werkstatt) Drehzahl, Temperatur, Geschwindigkeit und Kilometerstand zum Zeitpunkt des Fehlers an. Nach dem Löschen beginnt die Diagnose bei null – und zusätzliche Diagnosezeit in der Werkstatt verursacht höhere Kosten.
- Der Schaden wächst weiter. Aus einem kleinen Problem kann schnell ein teures werden. Ein ignorierter Zündaussetzer kann zum Beispiel mit der Zeit den Katalysator beschädigen. Wer die Ursache früh erkennt, kann größere Schäden vermeiden und so oft viel Geld sparen.
- Du verlierst deine Frühwarnung. Vorläufige Fehlercodes zeigen Probleme, noch bevor sie ernst werden. Löschst du sie jedoch, fährst du im Blindflug.
- Es bringt dich nicht durch die HU/AU. Seit dem 1. Januar 2018 umfasst jede Abgasuntersuchung (AU) in Deutschland eine Endrohrmessung plus eine OBD-Prüfung. Ein gespeicherter abgasrelevanter Fehler oder eine anhaltende Störung bedeutet somit weiterhin: durchgefallen. Die Readiness-Monitore sind zwar kein Bewertungskriterium mehr, ihr Status wird aber auf dem AU-Nachweis ausgedruckt – ein frisch gelöschter Fehlerspeicher fällt also sofort auf. Und wenn der Fehler eine wirkliche Ursache hat, wird er wahrscheinlich schon bald wieder auftreten.
- Auch Käufer lassen sich nicht täuschen. Wer einen Gebrauchtwagen scannt und sieht, dass alle Readiness-Monitore auf „nicht bereit“ stehen, weiß: Hier wurde gerade der Speicher gelöscht. Das ist ein Warnsignal, kein Verkaufsargument. Leuchten nach dem Scan erneut Warn- oder Motorleuchten auf, ist das ein klares Zeichen, dass das Problem weiterhin besteht.
Wann das Löschen des Fehlerspeichers die richtige Entscheidung ist
Wann solltest du also die Codes löschen?
Hier ist eine kurze Entscheidungshilfe.
|
Situation
|
Fehlercodes löschen?
|
Warum
|
|
Nach einer abgeschlossenen Reparatur
|
Ja
|
Löschen ist der letzte Schritt – der erneute Test bestätigt, dass das Problem behoben ist
|
|
Nach Batteriewechsel, Starthilfe oder Unterspannung
|
Ja, nachdem du die Batterie geprüft hast
|
Unterspannung hinterlässt oft Spannungs- und Kommunikationsfehler in mehreren Steuergeräten
|
|
Nach Arbeiten, bei denen Stecker abgezogen wurden (z. B. Sitze, Sensoren)
|
Ja
|
Das sind Überbleibsel der Arbeiten, keine neuen Fehler
|
|
Nachdem du einen losen Tankdeckel festgezogen hast
|
Ja
|
Bei Autos mit Tankleck-Überwachung verschwindet der Code nicht sofort von selbst
|
|
Nach einer Nachrüstung oder Codierung
|
Ja, sobald alles funktioniert
|
Überbleibsel der Installation kannst du löschen
|
|
Dokumentierter sporadischer (passiver) Fehler
|
Ja, dann beobachten
|
Kommt er wieder, hast du ein Muster, dem du nachgehen solltest
|
|
Blinkende Motorkontrollleuchte
|
Nein
|
Meist ein schwerer Zündaussetzer – anhalten und prüfen lassen
|
|
Rote Kontrollleuchte oder Fehler bei Airbag, ABS oder ESP
|
Nein
|
Sicherheitssysteme – die Diagnose sollte in einer Werkstatt erfolgen
|
|
Code kommt direkt nach dem Löschen zurück
|
Nein
|
Der Fehler ist aktiv – erneutes Löschen ändert nichts daran
|
|
Direkt vor der HU/AU oder dem Autoverkauf
|
Nein
|
Es verbirgt nichts und wirft Fragen auf
|
Du bist dir nicht sicher, was eine Kontrollleuchte bedeutet? Unser Ratgeber zu Kontrollleuchten im Auto erklärt sie nach Farbe und Dringlichkeit.
Ein Diagnose-Ablauf mit Diagnosegerät, bevor du irgendetwas löschst
Du musst kein Mechaniker sein, um diesem Ablauf zu folgen. Du musst ihn nur in der richtigen Reihenfolge durchgehen.
- Alle Steuergeräte scannen. Nicht nur den Motor. Fehler in einem System können auch Symptome in einem anderen verursachen.
- Jeden Code notieren. Speichere den Code, das Steuergerät, den Status (vorläufig, gespeichert, aktiv oder passiv) und den Kilometerstand oder mach einen Screenshot davon. Das ist deine Dokumentation – behandle sie wie Beweismaterial.
- Freeze Frame und Live-Daten prüfen. Freeze-Frame-Daten zeigen die Bedingungen zum Zeitpunkt des Fehlers. Live-Daten zeigen, was das Auto gerade tut. Zusammen grenzen sie die Ursache ein.
- Wahrscheinliche Ursachen priorisieren. Ein Fehlercode weist auf einen Bereich hin, nicht auf ein bestimmtes Bauteil. Ein Zündaussetzer-Code (P0301, Zylinder 1) kann auf eine verschlissene Zündkerze, eine defekte Zündspule oder ein Problem mit der Einspritzdüse hindeuten. Prüfe zuerst die einfachen, wahrscheinlichen Ursachen. Bei mehreren Codes fängst du mit Spannungs- und Kommunikationsfehlern an, da sie andere Fehler auslösen können.
- Ursache beheben. Mach das selbst, wenn es in deinem Kompetenzbereich liegt – oder lass es in einer Werkstatt erledigen, mit deinen gespeicherten Codes zur Hand.
- Löschen, dann erneut testen. Lösche den Fehlerspeicher, fahr mehrere Fahrten ganz normal (inklusive Kaltstart und gemischtem Fahrprofil) und scanne dann erneut.
Ein Fehlercode ist immer noch vorhanden und du willst wissen, was er bedeutet und wie du ihn behebst? Schau in unsere Übersicht der OBD2-Fehlercodes.
So löschst du Fehlercodes mit OBDeleven
Steck das OBDeleven-3-Gerät in den OBD2-Port deines Autos, verbinde die App und starte einen Scan. In wenigen Minuten siehst du alle gespeicherten Fehler aller verfügbaren Steuergeräte deines Autos.
Damit du entscheiden kannst, was als Nächstes zu tun ist, zeigen dir KI-gestützte Fehlerbeschreibungen, was jeder Code für dein Auto bedeutet. Jeder Fehler bekommt außerdem eine Risikoeinstufung. So weißt du sofort, ob du ihn löschen, zuerst beheben oder der Werkstatt überlassen solltest.
Mit Live-Daten prüfst du Sensorwerte in Echtzeit, um die Ursache einzugrenzen oder zu bestätigen, dass eine Reparatur funktioniert hat. Ist das Problem behoben, löschst du die Codes mit einem Fingertipp.
Du kannst das OBDeleven-3-Gerät auch in deinem Auto eingesteckt lassen. So wirst du immer benachrichtigt, wenn der Fehler zurückkommt oder ein neuer gespeichert wird.
Diagnose und Live-Daten sind im FREE-Plan enthalten, der mit jedem Gerät standardmäßig bereitgestellt wird.
Ein paar Dinge, die du wissen solltest, bevor du auf „Löschen“ tippst:
- OBDeleven löscht alle Fehler auf einmal – du kannst nicht einzelne Codes löschen und andere behalten. Deshalb ist es so wichtig, deine Codes vorher zu speichern.
- Manche Fehler lassen sich nicht löschen, zum Beispiel interne Steuergerätefehler. Das Steuergerät kann das Löschen verweigern oder den Fehler sofort wieder anzeigen.
- In manchen Fällen musst du nach dem Löschen die Zündung aus- und wieder einschalten, bevor du andere Funktionen ausführen kannst.
Du hast gerade selbst eine Inspektion durchgeführt? Mit einer One-Click-App kannst du auch die entsprechende Serviceanzeige zurücksetzen.
Fazit
Generell ist das Löschen des Fehlerspeichers nichts Schlechtes, sondern sogar ziemlich nützlich. Allerdings ist es schlecht, ihn zu früh zu löschen.
Wenn also das nächste Mal eine Kontrollleuchte angeht, scanne dein Auto zuerst mit einem Tool wie OBDeleven 3 und speichere die Ergebnisse des Scans. Finde die Ursache heraus und behebe sie, bevor du den „Löschen“-Button anfasst.
OBDeleven 3 Gerät + 200 Credits
Enthält das OBDeleven 3 Gerät und 200 Credits zum Freischalten von Fahrzeugfunktionen mit One-Click Apps
€114.99
Kein bezahlter Plan erforderlich
FAQ
Löscht das Abklemmen der Batterie die Fehlercodes?
Meistens ja, aber das ist eine grobe Methode. Dabei werden die Readiness-Monitore genauso zurückgesetzt wie mit einem Diagnosegerät. Andere Einstellungen können verloren gehen, und du hast keine Aufzeichnung davon, was vorher gespeichert war.
Kommt der Fehler zurück, wenn ich ihn nicht behebe?
Wahrscheinlich. Manche Fahrzeuge, etwa einzelne VW-Modelle, geben Fehler auch als Blinkcodes über die Motorkontrollleuchte aus. Diese Methode setzt oft ein elektronisches Gaspedal voraus. Sobald der Selbsttest dann erneut fehlschlägt, speichert das Auto einen vorläufigen Fehlercode – und wenn er noch einmal fehlschlägt, einen bestätigten Code samt Kontrollleuchte. Bei Benzinern ist die OBD2-Schnittstelle seit 2001 Standard, deshalb ist das reguläre Auslesen meist der zuverlässigere Weg.
Kann ich Airbag-Fehlercodes selbst löschen?
Technisch gesehen ja, aber wir empfehlen dringend, dein Auto vorher professionell prüfen und reparieren zu lassen. Riskiere nicht deine Sicherheit und die deiner Mitfahrer.
Haftungsausschluss: Ratschläge, Anleitungen und Tipps zur Fahrzeugpflege in unserem Blog sind als hilfreiche Ressourcen für allgemeine Wartungs- und Reparaturarbeiten gedacht. Wir bemühen uns um Genauigkeit und stellen die Informationen nach bestem Wissen bereit. Die Nutzung erfolgt jedoch immer nach eigenem Ermessen und auf eigenes Risiko.
Halte dich für konkrete Reparaturdetails und Sicherheitsvorgaben immer an die Betriebsanleitung deines Fahrzeugs oder wende dich an eine zertifizierte Fachwerkstatt.
Mit meiner Anmeldung willige ich ein, dass meine hier angegebenen personenbezogenen Daten zu Zwecken der Direktwerbung verarbeitet werden (damit OBDeleven mich per WhatsApp kontaktieren und über seine Services informieren kann), wie in der Datenschutzerklärung beschrieben. Ich kann meine Einwilligung jederzeit per E-Mail an [email protected] widerrufen.
